Lippstädter Thomas-Valentin-Stadtbücherei enthält Wandgemälde von Georg Goldkuhle

Die Nachbarstadt Lippstadt hat 2006/07 das Baudenkmal ihrer ehemaligen Marienschule an der Fleischhauerstrasse einer Komplettrenovierung unterzogen. Nach der Fertigstellung des Gebäudes zog dort die Thomas-Valentin-Stadtbücherei ein.

Sehr freundlich und hell gestaltet, mit netten Leseecken versehen, lädt seit dieser Zeit die Bibliothek ihre Nutzerinnen und Nutzer ein.

Aus Rheda-Wiedenbrücker Sicht ist vorallem im Obergeschoss des Gebäudes die ehemalige Alte Kapelle interessant. Unter vielen Lagen Farbe fand sich bei der Renovierung auch einiges der ehemaligen farblichen Fassung der Kapelle, des 1898 erbauten Gebäudes.

Die gefundenen und dann freigelegten Wandmalereien stammen von dem bekannten Wiedenbrücker Maler Georg Goldkuhle (1849-1900), der für diese  Arbeiten von den Lippstädtern angeworben wurde.

Die ehemalige Chorsituation ist heute noch gut zu erkennen. Ein Hauptaltar und zwei Nebenaltäre, von denen heute nichts mehr vorhanden ist, die aber vermutlich auch aus Wiedenbrück stammten, hatten am Südende der Kapelle hinter einer als Dreipass gestalteten Chorakarde Platz. Auf historischen Fotos in der alten Kapelle und Aussen vor dem Gebäude, kann man die alte Situation aus der frühen Nutzungsperiode des Gebäudes nachvollziehen.

Typisch im Stile der Neugotik hatten die ikonografischen Dekore auf die Architektur des Gebäudes und seiner Verwendung als Konfessionsschule mit Internat Rücksicht zu nehmen.

An der zurückliegenden Westwand konnte noch ein Stifterbild mit den Mädchen und Ordensfrauen die sich in der Schule zusammen fanden, ebenfalls von Goldkuhle, wiederentdeckt werden.

Der Triumphbogen und die beiden Nebenaltareinlässe wurden 1906 noch einmal farblich von einem nicht bekannten Maler neu gefasst. Vermutlich stammte dieser wieder aus Wiedenbrück bzw. vielleicht handelte es sich um Eduard Goldkuhle (1878-1953), da Georg zu diesem Zeitpunkt schon verstorben war.  Im Scheitelpunkt der Mittelachse ist ein liegendes Lamm Gottes auf dem Buch mit sieben Siegel als  Symbol für Jesus Christus als Erlöser zu finden. In den Eckzwickeln rechts und links sind Engelsfiguren, die zum Lamm treten in Dreiergruppen angeordent zu finden.

Die alte Marienschule als heutige Thomas-Valentin-Stadtbücherei war auch das Kalenderblatt des Monats September 2009 im Kalender der Arbeitsgemeinschaft historischer Stadt- und Ortskerne in NRW, zu denen auch Wiedenbrück gehört.

Unter der Schirmherrschaft des Landes Nordrhein-Westfalen mit dem Ministerium für Bauen und Verkehr haben sich diese Städte selbst auferleg-ten Verpflichtungen unterworfen, ihr kulturelles Erbe sorgsam zu erhalten und behutsam zu entwickeln. Dank großzügiger Fördermittel aus der Städtebauförderung und der Umsetzung eines Masterplanes war es in Lippstadt möglich, unter entsprechender Einhaltung des Denkmalsschutzes, das Stadtbild prägende Backsteingebäude der Alten Marienschule zu erhalten und für die Thomas-Valentin-Stadtbücherei umzubauen. Die Geschäftsstelle der Arbeitsgemeinschaft befindet sich übrigens in Lippstadt. Vorsitzender ist Bürgermeister Christof Sommer.

Alle Fotos stammen aus Lippstadt, von der dortigen Internetseite die einen schönen Bildüberblick über die Stadtbibliothek dort gibt.

Stadtführungen in Lippstadt