Als die Amerikaner kamen – der 1. April 1945 in Wiedenbrück

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Von Dr. Wilhelm Sprang, Januar 2026

Am 1. April, dem Ostersonntag 1945, sind amerikanische Truppen in Wiedenbrück ein- und durchmarschiert. Wiedenbrück war damals noch Kreisstadt und somit Verwaltungssitz des Kreises Wiedenbrück.

Willi Mues, Der grosse Kessel

Die Amerikaner näherten sich über die Autobahn A2 und nutzten die Abfahrt Wiedenbrück.

Jochen Sänger: Das graue Band; Die A2 bei Wiedenbrück, hinten links sind die Türme der Stadt- und der Clemenskirche Rheda zu sehen.

Schon am 31.3. waren die auf der Autobahn vorrückenden schweren Panzermotoren in der Stadt deutlich zu hören. Ein zweiter Truppenteil näherte sich über Beckum, Oelde, Stromberg dem Ortskern. Als letztes Aufgebot sollten in der Stadt von Bürgern an den beiden Enden der Langen Straße Panzersperren errichtet werden. In Höhe der Ems- und Umflutbrücke wurde das Pflaster aufgerissen und Baumstämme und große Kabeltrommeln aufgetürmt. 

Als aber immer deutlicher zu hören war, welche Übermacht sich auf Wiedenbrück zubewegte wurden aus Angst um die Erhaltung der Stadt auf den Türmen der Aegidius- und Marienkirche weiße Fahnen gehisst und die Sperren wieder entfernt. Danach wurden überall weiße Fahnen ausgehängt und die Wiedenbrücker haben sich in ihren Häusern versteckt.

Beide amerikanischen Truppenbewegungen näherten sich am Samstag, den 31.3., abends der Stadt und kamen Bielefelder Straße auf Höhe des heutigen MC Donalds und in der Nähe des Platzes Auf der Schanze zu stehen. Dabei kam es an beiden Orten zu Toten. In beiden Fällen versuchten Menschen, die von außerhalb kamen, noch die A2 nördlich von Wiedenbrück zu erreichen und Richtung Hannover und Harz zu flüchten. Da sie abends unterwegs waren und die Wiedenbrücker sich versteckt hatten, wurden sie nicht gewarnt, wie nahe die Amerikaner schon an die Stadtgrenzen herangekommen waren.

Auf der Bielefelder Straße war es ein Wehrmachtsbus, der in Höhe der Brückenapotheke unter Beschuss geriet, mehrere Menschen starben sofort. In Erinnerung geblieben ist der Fall von Frau Brennecke und ihren drei Töchtern, die im Bus mitfuhren und deren Gräber sich heute neben anderen auf dem Ehrenfriedhof des Wiedenbrücker Friedhofs befinden. Nur der jüngste Sohn überlebte und kam ins Kinderheim in Rietberg.

Ehrengräber auf dem Friedhof Wiedenbrück. Foto: Sprang

Am anderen Ende der Langen Straße war es ein LKW mit Soldaten und Zivilisten, der auf der Straße Auf der Schanze aus Richtung Lippstadt kam. Im Bereich der Kreuzung machte der Fahrer kurz das Licht an, um die Straßenschilder lesen zu können und der LKW geriet sofort unter Beschuss. Da auf der Ladefläche auch Benzinfässer standen, gab es eine große Explosion. Durch die Explosion wurden bei den umliegenden Häusern die Dächer abgedeckt.

Insgesamt starben in der Nacht auf den 1. April 28 Personen.

Am Ostersonntag fuhren den ganzen Tag Panzer durch Wiedenbrück. Von der A2 kommend fuhren sie die Bielefelder (damals Gütersloher) Straße auf das Zentrum zu, geradeaus weiter auf der Mönchstraße, unter dem Patersbogen durch und bogen nach links Richtung Paderborn ab. Es gibt ein Bild vom 2. April, das die nachfolgenden Versorgungseinheiten zeigt. Von den Panzern des 1. April gibt es keine Bilder.

Foto: Tec 5 Harry E. Boll, 168th Signal Photo Co., 2.4.1945.
Man sieht die aus dem Fenster gehängte weiße Fahne und erkennt, dass die Menschen schon am 2.4. keine Angst mehr vor den amerikanischen Soldaten hatten.

Da Wiedenbrück Kreisstadt war, wurden im Haus des Bauern Soldaten einquartiert und im Kaufhaus Hepp, heute LivingClassics, die Offiziere. Auf dem Kirchplatz standen einige Panzer.

Dadurch, dass die Panzersperren beseitigt und weiße Fahnen aufgehängt wurden, kam die Stadt Wiedenbrück beim Einmarsch der Amerikaner ohne Schäden davon. Erst nach dem Krieg wurde der Bevölkerung richtig deutlich, welches Glück die Stadt gehabt hatte. Daraus entstand der Auftrag an den Bildhauer Hartmann, eine Schutzmantelmadonna für die Stadt Wiedenbrück zu schaffen. Die Figur steht heute noch in der Aegidiuskirche.

Foto: Sprang