
Frisch restaurierte „Eichhörnchenbank“ vom kaiserlichen Thronjubiläum hatte ursprünglich eine wichtige Funktion
„Ruhebedürftigen Liebespaaren zur Erholung dienen“
Das Stadtholz, beliebtes Naherholungsgebiet der Wiedenbrücker, ist jetzt um eine neue alte Attraktion reicher: Auf Initiative des Heimatvereins Wiedenbrück-Reckenberg hat die Stadt den Platz an der historischen „Eichhörnchenbank“ neu hergerichtet. Mitglieder und Freunde des Heimatvereins, allesamt Teilnehmer des traditionellen Emmausganges, waren am Tag der Fertigstellung die ersten, die den neugestalteten Platz in Augenschein und in ihren Besitz nahmen.
Die so genannte Eichhörnchenbank befindet sich am südlichen Ende des Stadtholzes zwischen den Stationen 5 (Bauch) und 6 (Reck) des Trimm-Dich-Parcours. Die steinerne Bank ist eines von mehreren heimischen Erinnerungsstücken an das Silberne Thronjubiläum, das der deutsche Kaiser Wilhelm II. im Jahr 1913 beging. Wie die Hobby-Historikerin und derzeitige Heimatvereinschefin Sigrid Theen den Teilnehmern des Emmausganges berichtete, hatte die Obrigkeit seinerzeit allen deutschen Kommunen würdige Aktivitäten aus Anlass des Jubiläums verordnet.
Der Magistrat der damaligen Kreisstadt Wiedenbrück beschloss daraufhin unter anderem, den städtischen Wald in „Kaiserforst“ umzubenennen, eine „Kaiser-Eiche“ zu pflanzen und eine steinerne Kaisersäule mit dem Preußen-Adler an ihrer Spitze unweit vom heutigen Burgweg zu errichten. Eine weitere Jubiläumsaktion war das Aufstellen der „Eichhörnchenbank“, die im Atelier des akademischen Bildhauers und Wiedenbrücker Schule-Vertreters Anton Mormann entstanden war. Stifterin der Bank war Clara Osterrath, Frau des ehemaligen Landrats und Wiedenbrücker Ehrenbürgers Dr. Heinrich Ludwig Ernst Osterrath.
Das Wappen, das sich inmitten der Bank-Rückenlehne befindet, wird ihr zugeschrieben. Die Rückenlehne trägt darüber hinaus die in Stein gemeißelte Inschrift „Lasset die Blumen stehn und den Strauch, andere die vorübergehn freuen sich auch“. Ihren Namen bezog die Bank von zwei nussknackenden Eichhörnchen, die sich auf den Armlehnen befanden. Die beiden Tiere waren Jahre später Opfer von Vandalismus geworden. Aus Sorge vor einer wiederholten Zerstörung wurden sie nicht wieder ersetzt.
Mit der jetzt erfolgten Restaurierung der Bank wollten Heimatverein und Stadt nicht nur an Entstehung und Geschichte der Bank erinnern. Ihr Wunsch war es auch, den Bezug zum Namen der Stätte wiederherzustellen. Im Rahmen der Neugestaltung des Areals wurde deswegen auf einem Naturstein aus Anröchter Grünsandstein neben einer Erinnerungstafel auch ein etwa 30 Zentimeter hohes steinernes Eichhörnchen platziert.

Wichtig für alle heimatgeschichtlich Interessierten: Die Tier-Plastik stammt nicht aus einer Künstler-Werkstatt der Wiedenbrücker Schule. Sie ist vielmehr ein im Internet erstandenes Produkt der Neuzeit und von daher mit großer Wahrscheinlichkeit aus fernöstlicher Fertigung.
Die Sandsteinbank selbst war unter der Regie des städtischen Tischlermeisters Peter Korte umfassend überarbeitet worden. Sein Team hatte den Stein von Grund auf gereinigt, sodass Wappen und Inschrift wieder deutlich zu erkennen sind. Zudem war eine neue Sitzfläche aus dem Holz einer alten Stadtholz-Eiche geschaffen worden. Das Ganze wirkt jetzt viel einladender als zuvor – zumal auf dem gesamten Areal frisches Häckselgut gestreut wurde.

Die Bank kann damit wieder die Funktion erfüllen, die sie laut einer alten Chronik und wohl auch nach dem Willen der Stifterin von Anfang an erfüllen sollte: „Den ruhebedürftigen Liebespaaren zur Erholung dienen“. Was der eine oder andere allerdings vermissen wird, ist ein Abfallbehälter. „Darauf haben wir ganz bewusst verzichtet“, erklärt der verantwortliche Tiefbau-Fachbereichsleiter Michael Duhme. Seine Begründung: „Ein Abfalleimer verursacht hohe Kosten für das Entleeren und birgt die Gefahr wilder Müllablagerungen.“
Bericht und Fotos von Rainer Stephan
