
Der alljährliche „Schnatgang“ findet traditionell zwischen Weihnachten und Neujahr statt. Seit vielen Jahren wird er im hiesigen Raum als Gemeinschaftsveranstaltung der Heimatvereine Rheda, Wiedenbrück-Reckenberg und Langenberg organisiert.
In alten Zeiten wurden dabei die Grenzen der Gemeinde oder Bauernschaft kontrolliert und mit Grenzmarkierungen versehen. Bäume erhielten häufig kreuzförmige „Einschnitte“ – daraus leitet sich das Wort „Schnat“ ab, das seitdem ebenfalls als Synonym für „Grenze“ Verwendung findet. In den letzten Jahrzehnten hat sich der Schnatgang als beliebte Wanderung zwischen den Feiertagen etabliert, bei der auch viele Kenntnisse über Natur und Geschichte unserer Heimat vermittelt werden.
In diesem Jahr war wieder der Heimatverein Wiedenbrück-Reckenberg mit der Vorbereitung betreut. Martin Brockhinke hatte die Ausarbeitung der Wegstrecke übernommen und wurde dabei tatkräftig von unserer amtierenden Vorsitzenden Sigrid Theen unterstützt. Durch die Kooperation mit dem Verein Dorf Aktiv e.V., konnte das „Küsterhaus“ in St. Vit als Treffpunkt und für das anschließende gemeinsame Beisammensein organisiert werden.
Am Montag den 29. Dezember fanden sich dann bei nasskaltem Winterwetter knapp 40 interessierte Mitbürger am „Küsterhaus“ ein. Darunter eine über zehnköpfige Abordnung aus Langenberg, die vom Vorsitzenden des dortigen Heimatvereins Leo Meier-Langenberg besonders begrüßt wurde. Sigrid Theen hieß dann alle Teilnehmer im Namen des Heimatvereins Wiedenbrück-Reckenberg herzlich willkommen.
Die Wanderung begann mit einer Einführung in die Geschichte des 1658 erbauten Küsterhauses und der Kirche in St. Vit, die erst 1913 mit einem Kirchturm versehen wurde.

Weiter ging es nach Süden entlang der Grenze des Wiedenbrücker Stadtfeldes östlich der Kleestraße. Mit großer Enttäuschung wurde der erst in diesem Jahr geschehene Abbruch des Hofes Ormeloh festgestellt. Dort hatte sich seit 1797 das Wohnhaus und die Ziegelei Daake befunden, die vom Stadtholz dorthin umgezogen war.
Südlich des Dorfkerns wurde die alte Bauernschaft Steppentrup erreicht, die ursprünglich nur aus 3 und später aus 6 Höfen bestand. Hier gab es auch interessantes zum Grenzbach, dem „Hamelbach“ zu berichten: Dieser wurde im Zuge der „Flurbereinigung“ des 20. Jh. im Bereich der Gemeinde Batenhorst rigoros begradigt. Aufgrund des Widerstandes der Rentruper Bauern, verläuft er aber im Bereich der ehemaligen Gemeinde St. Vit noch heute in seinem natürlichen Lauf.
In Steppentrup stieß auch Norbert Ellermann, Vorstandsmitglied des Heimatvereins Rheda, zu der Gruppe und wusste interessantes über seine Heimat zu berichten. Am Hof Kleibaumhüter wurde dann wieder Wiedenbrücker Gebiet erreicht. Der Hof ist schon im Mittelalter als Behausung des Wächters am Schlagbaum nach Steppentrup gegründet worden. Sein Name leitet sich vom Kleiboden in diesem Bereich ab.
Im Wiedenbrücker Stadtfeld wurde dann die ehemalige Ziegelei Eusterbrock besucht. Eigentümer Ludger Eusterbrock erklärte den Teilnehmern viele Details zur Industriegeschichte des 1895 gegründeten Ensembles. In Spitzenzeiten konnten dort bis zu 25.000 Ziegel täglich vorgefertigt und bis zu 7000 Stück in einem Ringofen fertig produziert werden. Die Ziegler kamen dabei meist als Wanderarbeiter aus dem Lipperland. 1985 wurde die Produktion eingestellt.

An der Straße „Auf der Bitterhorst“ wurde dann in einen uralten Feldweg abgebogen, der früher als „Twiehüser Straße“ bezeichnet wurde. Dort befand sich auch „Mönchmeiers Holz“ – ein kleines Waldstück, das früher dem „Mönchmeier“ gehörte, der seinen Sitz am Klingelbrink in Wiedenbrück hatte. Dieser fungierte als „Steuereinnehmer“ für das ehemalige Kloster Marienfeld, welches in Wiedenbrück über einen großen Grundbesitz verfügte. Martin Brockhinke berichtete, dass an „Mönchmeiers Holz“ im Mittelalter die sog. „Twiehüser Höfe“ standen, die aber schon seit langer Zeit abgebrochen sind.
Weiter ging es zur letzten Station am „Haus Neuhaus“: Sigrid Theen berichtete spannende Details zur Geschichte des ehemaligen Rittergutes, das sich lange Zeit im Eigentum der Familie von der Wyck befunden hat. Das Hauptgebäude wurde schon Ende des 18. Jahrhunderts abgebrochen und durch das um 1877 errichtete „Försterhaus“ ersetzt, welches heute noch erhalten ist. Ansonsten hat das Ensemble aber seinen historischen Charakter, einschließlich der umlaufenden Gräfte, hervorragend bewahrt.
Durch den „Neuhauser Busch“ führte der Weg dann zurück zum „Küsterhaus“. Dort konnten sich die Teilnehmer bei einer heißen Gulaschsuppe stärken und bei guter Unterhaltung klang der Abend aus.
